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Ohne Tränen zu entspannten Nächten

Ohne Tränen zu entspannten Nächten

Kinderschlaf ist ein großes Thema unter Eltern.
Doch wer die Hintergründe kennt,
versteht sein Baby besser und erfährt
entspanntere Nächte ‒ ganz ohne Tränen.

Und, schläft es schon durch? Fast alle frisch gebackenen Eltern kennen diese Frage.
Doch was heißt eigentlich durchschlafen? Und warum wachen die meisten Babys ein bis mehrmals in der Nacht auf? 
„Bei Babys spricht man bei einer ununterbrochenen Schlafphase von fünf Stunden von Durchschlafen“, erklärt Christina Olejnicki aus Köthen, Schlafberaterin nach dem Konzept von 1001kindernacht®.
Die Gesellschaft erwartet oftmals, dass Kinder schon mit einem Jahr durchschlafen.
Fakt ist, dass Kinder aber erst mit etwa drei Jahren selbstständig ein- und durchschlafen.
Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster weist in seinen Büchern immer wieder darauf hin, dass das nächtliche Aufwachen ein evolutionär sinnvolles Verhalten ist.
In der Steinzeit wäre es gefährlich gewesen, hätten Babys allein und bereits die ganze Nacht durchgeschlafen.
Das Aufwachen dient unter anderem der Vergewisserung, dass es in Sicherheit ist.
Hätten Babys durchgeschlafen, wären sie wohlmöglich vom Säbelzahntiger verschleppt worden oder erfroren.
Damals herrschte für Babys und Kleinkinder in der Nacht die maximale Gefahr.
Auch heute „ticken“ Babys immer noch wie in der Steinzeit.
Sie vergewissern sich nachts, dass sie in Sicherheit sind, sie wissen nichts vom Babyphon, das neben ihnen steht,
oder dass es keine gefährlichen Tiere in ihrer Schlafumgebung gibt.
Zusätzlich sind die Schlafzyklen von Babys kürzer als die von Erwachsenen.
Ein Schlafzyklus (eine Abfolge von Traum- und Tiefschlafphase) dauert bei Babys etwa 50 Minuten, bei Erwachsenen sind es 90.
Deshalb durchlaufen Babys mehr Schlafzyklen als Erwachsene und erleben mehr Übergange von einem Schlafzyklus in den nächsten.
Diese Übergänge sind besonders störanfällig, weshalb Babys auch oft erwachen.
Christina Olejnicki nennt weitere Gründe für nächtliches Aufwachen bei Babys:
– Hunger und/oder Durst
– ihnen ist zu warm oder zu kalt
– Ausscheidungsbedürfnis
– Schmerzen oder Unwohlsein
– Angst und/oder das Bedürfnis nach Nähe
– Entwicklungsschritte
– Tageseindrücke



Doch das nächtliche Erwachen bringt auch einige Vorteile mit sich.
So steigert sich die Milchproduktion, wenn das Baby nachts häufig trinkt.
Das wiederum erleichtert die Stillbeziehung.
Zusätzlich bekommt das Baby mehr Zuwendung und Körperkontakt, was die Entwicklung und die Bindung unterstützt.
Kinder und Babys können sich in jungen Jahren noch nicht selbst beruhigen. Sie brauchen dafür eine Bezugsperson.
Viele Eltern glauben, dass ein Schlaftraining dabei hilft, das selbstständige Ein- und Durchschlafen zu lernen.
Doch wenn Eltern das Baby im dunklen Zimmer sich selbst überlassen, lernen die Kleinen nicht, sich zu beruhigen oder zu schlafen,
sondern nur, dass niemand auf ihr Weinen reagiert. Die Botschaft, die beim Kind ankommt, ist: „Ich bin nicht geliebt.
Ich bin es nicht wert, dass jemand nach mir schaut.“, erklärt Christina Olejnicki.
Beim Schlaftraining schlafen Babys tatsächlich irgendwann ein, weil sie vom Schreien erschöpft sind, oder weil sie in eine Art Schockstarre fallen.
Denn der Mensch   kennt   bei   Angst   nur   drei  Möglichkeiten:
Er kann entweder fliehen, kämpfen oder erstarren.
Weil Kinder aus dieser Situation weder fliehen noch kämpfen können, hören sie auf zu weinen und verhalten sich ruhig. 

Tipps für einen erholsamen Schlaf

‒ Das Kind sollte sich sicher und geborgen fühlen, um entspannt einschlafen zu können.
Entspannung ist eine wichtige Voraussetzung für den Schlaf.
‒ Das Kind sollte satt und die Blase leer sein.
‒ Einschlafen ist eine unkontrollierte Trennungssituation für Babys, deshalb brauchen die Kleinen oft Begleitung dabei.
‒ Eltern können die Einschlafzeit auch als Qualitätszeit für sich nutzen und beispielsweise Atemübungen machen oder ihre Lieblingsmusik mittels Kopfhörer hören.

Ein Schlaftraining wirkt sich sehr negativ auf die kindliche Entwicklung aus.
Daher rät Christina Olejnicki ausdrücklich davon ab.
Hilfreich ist es, sich Unterstützung zu holen, wie sie beispielsweise Schlafberaterinnen anbieten.
Es lohnt sich für die Kinder und die Eltern.
Weiterhin berichtet Christina Olejnicki, dass der Schlafcharakter eines Babys genetisch bedingt ist und sich nur bedingt beeinflussen  lässt.

Jeder Mensch hat einen individuellen Schlafbedarf. Daran lässt sich nicht rütteln.
Während das eine Baby mit zehn Stunden Schlaf am Tag auskommt, braucht ein anderes vielleicht 14 oder 15 Stunden.
Wichtig zu wissen ist, dass die Schlafentwicklung etwa drei Jahre dauert und wellenförmig verläuft, das heißt es gibt mal ruhigere und mal unruhigere Phasen.
„Das Schlafverhalten Ihres Kindes wird sich verändern“, versichert die Schlafberaterin. Ihr Tipp deshalb: „Versuchen Sie, das Kind mit
seinem Schlafverhalten so anzunehmen, wie es ist und suchen Sie sich Unterstützung.
Bleiben Sie mit Ihren Sorgen und Fragen nicht allein!“

Mareike Dorda
 


  Ausgabe 16/2020
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