• Titelbild Zwergensprache Magazin 16

Kursleiterin im Interview: Simone Kostka

Wie bzw. wann bist du zur Zwergensprache gekommen?


Simone Kostka: Im Frühling 2014 wurde in einem Eltern-Kind-Zentrum, in dem ich Spielgruppen betreut habe, ein fast voller
Babyzeichensprachekurs abgesagt, weil die Kursleiterin anderweitige Verpflichtungen hatte.
Im Herbst 2014 wurde wieder ein fast voller Kurs aus dem selben Grund abgesagt.
Nachdem ich mit meiner Tochter (geboren 2006) schon in Eigenregie Babyzeichen angewendet hatte, habe ich mich entschlossen,
die Ausbildung zu machen. Meine Ausbildung war dann Ende 2014 und mein erster Kurs hat in der Woche nach der Ausbildung begonnen. 

Wo und wie viele Kurse gibst du?


Simone Kostka: Das ist unterschiedlich. In meiner aktivsten Zeit waren es sieben Babyzeichen-Kurse pro Woche,
davon fünf Anfänger-Kurse und zwei Fortgeschrittenen-Kurse.
Aber da Babyzeichensprache nur eins meiner Standbeine ist und ich Zeit für einige andere Aufgaben brauche, biete ich jetzt nur noch an drei Vormittagen pro Woche Zwergensprache-Kurse an.
Für die Kurse fahre ich quer durch Wien. 

Welche Kurse bietest du noch an?


Simone Kostka: An Babykursen mache ich noch meine "Spielgruppe für kleine Weltentdecker", in der es immer einen Musikteil, einen Bewegungsteil und einen sensomotorischen Teil gibt. In letzterem machen wir z.B. Fingerfarbe selbst, kneten Salzteig, mischen kinetischen Sand, stellen Vogelfutterrollen her,
werfen mit Zeitungsschnipsel um uns, um Luftballone mit Pappmaché zu bekleben und vieles mehr.
An der Spielgruppe können Kinder teilnehmen sobald sie frei sitzen können.
Die Eltern sind immer wieder erstaunt, an wie vielen dieser kreativen Dinge ihre Zwerge schon aktiv teilnehmen können.
Nachmittags biete ich keine Kurse an, da verbringe ich meine Zeit mit Kindern zwischen 6 und 14 Jahren indem ich sie als Lernfördertrainerin unterstütze,
wenn Sie aufgrund  von  Dyslexie,  Hörverarbeitungsstörung, Konzentrationsmangel oder Ähnlichem Probleme haben, in der Schule gut mitzukommen.


Welches war dein schönstes Babyzeichenerlebnis?


Simone Kostka: Da gibt es viele schöne Geschichten sowohl im Kurs selbst als auch Erzählungen von Eltern.
Ich persönlich mag es besonders gerne, wenn die Kinder Zeichen selbst kreieren.
Daran kann man so schön sehen, wie sehr sie den Nutzen verstanden haben, wie sehr sie es mögen, sich ausdrücken zu können und sich selbst zu helfen wissen,
wenn man ihnen für dieses oder jenes noch kein Zeichen gezeigt hat. 
Eine meiner persönlichen Lieblingsanekdoten dazu ist die von Romeo, der in der Nähe eines großen Spitals wohnt, auf dem immer wieder  der  Notfall-Hubschrauber landet.
Durch ihn hat er die Zeichen "horch mal" und "Hubschrauber" sehr schnell gelernt, aber auch wenn der Hubschrauber gerade nicht zu hören war,
hat er oft an ihn gedacht. Immer wieder hat er tagsüber "Hubschrauber" gezeigt, auch wenn dieser gar nicht zu hören war.
Seine Mutter hat dann oft gehorcht, aber nichts gehört und ihm gesagt, dass es jetzt keinen Hubschrauber in der Nähe gibt.
Die ersten Male hat Romeo sie daraufhin sehr verzweifelt angeschaut, aber nach ein paar Tagen hat er dann, wenn kein Hubschrauber zu hören war, er aber an ihn
gedacht hat, sich vorher mit der Handfläche zweimal an die Stirn geklopft und dann "Hubschrauber" gezeigt.
Seine Mama hat bald durchschaut, dass er damit meint, dass er an den Hubschrauber denkt.
Finger zum Ohr und "Hubschrauber" heißt nun: "Ich höre den Hubschrauber". Handfläche an die Stirn und "Hubschrauber" heißt eben "Ich denke an den Hubschrauber".
Und mittlerweile kann er auch gut zeigen, wenn er an andere Dinge denkt, auch wenn sie gar nicht in greifbarer Nähe sind. 


Welche besonderen Erfahrungen hast du mit Babyzeichen machen können?


Simone Kostka: Kennst Du dieses warme Gefühl im Körper, wenn Du spürst, wie irgendetwas Schönes einen anderen Menschen überwältigt?
Solche Erfahrungen mache ich immer wieder mal im Kurs, wenn Eltern auf einmal aus der Situation heraus ein Licht aufgeht und das zur Folge hat,
dass sie ihr Kind aus einer neuen Perspektive sehen können.
Eine dieser Erkenntnisse ist die Erfahrung der Eltern von Sebastian.
Sie sind nach Kroatien in den Urlaub gefahren.
Sebastian hat speziell zum Ende der Fahrt geschlafen.
Als sie ankamen, wurde er erst wach.
Das Hotel lag in einem Pinienwald und dort gab es tausende von Zikaden, die gezirpt haben.
Sebastian war verschlafen und hat sich gar nicht ausgekannt.
Er hat sich eine zeitlang neugierig und suchend umgesehen, dann hat er das Zeichen für „Zug“ gemacht.
Er hatte ja keine Ahnung, was für ein Geräusch das war.
Seine Mutter war einmal mehr begeistert von den Gebärden, da sie seine Verwirrung aufklären konnte, indem sie nach Zikaden gesucht haben
und vorsichtig näher gegangen sind, um Sebastian welche zu zeigen.


Was wünschst du dir und der Zwergensprache für die Zukunft?


Simone Kostka: Ganz bald nach meiner Grundausbildung damals war schon mein persönliches Ziel,
dass wir in Wien mal so bekannt und beliebt werden wie Pekip oder Babyschwimmen. 
Es ist zwar noch ein Weg bis dahin, aber wir haben schon viele wertvolle Schritte in die richtige Richtung gemacht und sind deutlich bekannter.
Es werden deutlich mehr Kurse mit deutlich mehr Teilnehmern gebucht als vor fünf Jahren.
Für die Gebärden wünsche ich mir, dass sie nicht mit Einsetzen der Sprache vergessen werden, sondern dass Familien beginnen,
den Nutzen für viele Situationen im Alltag mit sprechenden Kindern zu verstehen und die Gebärden die Erziehung und Förderung viele Jahre lang begleiten.
Ich denke da z.B. daran, dass Zeichen in manchen Situationen gewaltfreiere Kommunikation ermöglichen als Worte.
Oder dass bei größeren Distanzen nicht hin- und hergeschrien werden muss.
Dass man kommunizieren kann, auch wenn eine Glasscheibe dazwischen ist.
Dass man Kindern Buchstaben und Worte besser beibringen kann, wenn sie Gebärden dazu,benutzen.
Dass Kinder mehr Spaß an Kommunikation haben, wenn sie eine,"Geheimsprache" nutzen.


 


  Ausgabe 16/2020
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